Fifty Shades Freed: Shades of Heteronormativity, Toxic Relationships & Abuse

[cn mention of domestic violence, toxic behaviour within relationships, sexual abuse]

Ich hatte vor Rund sieben Jahren bereits darüber geschrieben, weshalb ich Fifty Shades of Grey problematisch fand, und ich es zwar grundsätzlich begrüße, dass BDSM den Weg aus Nischen und Besenkammern hinein in den Mainstream & die Pop-Kultur findet, aber die Art und Weise wie Kink innerhalb 50SoG dargestellt wird, sehr von Unwissenheit, toxischen internalisierten Beziehungsmustern & Situationen bestand die als sexuelle Übergriffigkeit zu bewerten waren.

Parks, Books & BDSM

Neben dem Van Gogh Museum und dem Waterstones war ich heute wieder einmal im Pathé, da es in niederländischen Kinos üblich ist den Großteil der Filme in OV mit Untertiteln in Landessprache zu zeigen. Auch wenn ich bereits öfter diese Kinokette während meiner Schulzeit besucht hatte, war mir dieser Umstand nicht mehr so recht Bewusst gewesen, umso schöner, dass eine liebe Person mir diese Information in einem Nebensatz wieder hervorgekramt hatte und ich rund acht Stunden später nach einem Vormittag im Park, mit vier Büchern mehr im Buchbeutel, am Ticketterminal des Pathés stand und mir eine Karte für Fifty Shades Freed gekauft hatte.

Vorweg konnte ich bisher (vielleicht auch zum Glück) nicht alle Teile lesen, und gerade meine Aussagen zu 50 Shades Freed stützen sich ausschließlich auf den Film und ein paar Textstellen die ich im eBook nachgeschlagen habe.

50 Shades of Overused Literature Tropes

Falls wer die Handlung von 50SoG noch nicht kennt oder, vielleicht auch zu recht, sämtliche Hashtags zu dieser Serie sowohl auf Tumblr als auch auf Twitter gemuted, hat, geht es in der, ursprünglichen Twilight Fanfiction, um eine Liebesbeziehung zwischen Anastasia Grey (Steele) und Christian Grey, die ein bisschen wie ein Literature-Tropes-Karaoke anmutet. Auf der einen Seite die middle-classed down to earth geeky Anastasia Grey, auf der anderen der upper-class dark and troubled past Christian Grey, und in den Zwischengrautönen die ganze Bandbreite an schmalzig-käsigen Het-Fic-Tropes frisch aus den 1950ern, vom „everyone wants bad boys“ über das bekannte Freundesdreieck von Hauptcharakter*innen, dargestellt durch Anastasia, Kate und Jose, bishin zum Spiel & der Faszination des Unbekannten der BDSM-Elemente, denen sich als „das andere“ genähert wird. Während es im ersten Teil viel um den Storyaufbau, im zweiten mehr um die fragile masculinity eines Christian Greys geht, bewegt sich der dritte Teil irgendwo zwischen Till Schweiger Film, Romcom und einigen auflockernden und erzwungenermaßen humoristischen Elementen auf die ich später Zurückkomme.

Abusive Toxic Guys Shouldn’t Have Relationships

Der erste Teil und große Teile der Serie haben weniger mit der Abbildung von BDSM in Beziehungen gemein, als mit der Darstellung einer sehr übergriffigen und toxischen romantischen Beziehung, in der keine Reflektion von Macht stattfindet. Es stimmt zwar nicht, dass Christian Grey das von Ana benutzte Safeword ignoriert, in 50 Shades Freed wird dieses verwendet & auch sofort angenommen, wenngleich das in einem ziemlich übergriffigen Kontext geschieht und nicht mehr BDSM sondern Rachephantasien im Vordergrund stehen, die abermals für das toxische Beziehungsmuster stehen das in 50SoG romantisiert wird. Aber ein Safeword sollte nicht das einzige Fallback sein, und selbst Beziehungen in denen es ein solches gibt, selbst 24/7 Master-Slave-Relationships, können verdammt toxisch, gefährlich und sogar schädlich sein, zumal eine Vertrauensgrundlage natürlich auch Basis dieser Beziehungen sein sollte. Zumal trotz des richtigen Verwendens des Safewords die Beziehung der Serie zu diesem dennoch toxisch und falsch bleibt, mir kommt da unter anderem die „lovers don’t need safewords“ Textpassage im Sinn, auf welche die einzige richtige Antwort „abusive toxic guys shouldn’t have relationships“ sein sollte.

Shades of Manipulation and Abuse

Christian Grey lebt in einem sehr großen Maße Kontrolle über gaslighting, domestic violence und verschiedene Arten des derailings auch, die so wie diese dargestellt werden, nicht über das vorhanden sein einer 24/7 Beziehung begründet werden sollte (A will die Beziehung nicht zunächst), da eine Beziehung auch immer eine Kommunikationsebene beinhalten, sofern ein Teil dieser ein gewolltes Machtgefälle ist umso mehr, sollte. Die manipulativen Aspekte werden insbesondere beispielsweise bei der Reisenkostenabrechnung deutlich, da Christian Grey eine neue Policy einführt, dass er die Reisekosten von Anastasia fortan bestätigen muss um Kontrolle über ihre soziale Interaktionen, in Unwissenheit und ohne Absprache mit ihr selbst, zu bekommen.

Über die gesamte Serie hinweg ziehen sich toxisch-männliche Verhaltensweisen von Christian Grey, was nicht nur konsequenzenlos bleibt, sondern sogar romantisiert & als Begehrenswert dargestellt, und gerade dadurch Normalisiert, wird.

Nun, aber zum aktuell verfilmten Teil der Serie, 50 Shades Freed, dessen Setting wohl ein Mash-Up aus dem „Rich Kids of Instagram“ Hashtag und einem zusammengewürfelten Stockvideoset sämtlicher late 2000s Romcoms wie Marley und Ich zu sein scheint. Ich werde anhand einiger Fragen die ich mir zu Beginn des Kinobesuches gestellt habe auf den Film eingehen.

Wie wurde BDSM dargestellt?

Größtenteils sehr eindimensional und ohne wirkliche Kenntnis vom Spielen selbst. Die Darstellung von BDSM wirkt sehr oberflächlich, clichéhaft und größtenteils athmosphärisch, auch wenn das wahrscheinlich der Größte Aufhänger der Serie selbst ist, wird die Thematik an sich eigentlich kaum jenseits von sehr stumpf & kontextlos wirkenden sexuellen Szenen thematisiert und vor allem auf die damit zusammenhängende emotionale Arbeit und After-Care wird gar kein Bezug genommen. Auch wenn verschiedene Praktiken wie Bondage oder Ruined Orgasms/Denial gezeigt werden, und das Bild des Spieles durchaus breiter als erwartet war, bleibt das eigentlich wichtige, nämliche die Erkenntnis, dass es eben auch um emotionale Arbeit, Vertrauen & Kommunikation geht gänzlich auf der Strecke. Gelungen hingegen ist, dass die in der Beziehung eher als Sub gelesene Person (Ana) in diesem Teil durchaus stark & bestimmend gezeichnet wurde, und die dominante Person (Christian) zu Teilen als struggeling und zeitweise verletzlich anmutend gezeichnet wurde, auch wenn diese beiden Darstellungen ebenfalls sehr oberflächlich blieben, bricht es doch mit dem in den ersten Filmen überzeichneten Cliché zu Teilen.

Christian Grey bleibt Anas einziger Zungag zu BDSM & außerhalb dieser (übergriffigen und toxischen) Zweierbeziehung findet ein Dialog darüber nicht statt, was auch der Heterogenität der Szene nicht gerecht wird & zumindest auf mich sehr ungewöhnlich wirkt, da After-Care und Erfahrungsverarbeitungs/Austausch eigentlich auch oft außerhalb von romantischen Zweierbeziehungskonstellationen stattfindet.

Wie wurden weibliche Charaktere dargestellt?

Leider sind weibliche Charaktere in der 50SoG Reihe fast ausschließlich eindimensional und statisch, da Christian Grey die einzige Person ist die eine größere Charakterentwicklung hinlegt. Die Rolle Anas ist allerdings keinesfall klassisch, so nimmt sie in Verfolgungsszenen & in einer Kampfszene eine aktive Rolle ein, gibt teilweise sehr feierbare Kommentare & Widersprüche, auch wenn diese manchmal erhellenden Momente im Kontext des emotional Übergriffigen Frames der Rahmenhandlung leider sehr verblassen. Zu Anfang des Films überwältigt eine weibliche Sicherheitsperson eine einbrechende Person und ist aktiver als die ebenfalls anwesende männliche Sicherheitsperson.

Diversity?

Bis auf wenige Nebencharakter*innen ist 50 Shades Freed größtenteils weiß und heterosexuell. Danke für nichts.

Spiegelbild der Gesellschaft?

Eher unintended wurde in einer Szene dargestellt wie sehr, Sexismus, und Machtgefälle Einfluss auf die Karriere von Frauen haben, dargestellt durch den wirklich abwertenden und ekligen Kommentar zu Anas Beförderung der ihre Fähigkeiten durch das ironische Nennen von „talent and hard work“ entwertet.

Soft-Limit: Cis-Het-BDSM-Fiction? (M)ein Fazit:

Ich bin absolut keine Freundin von diesen klassischen Romcoms & heterosexuellen Liebesgeschichten, wobei La La Land durchaus eines meiner problematic faves ist, wahrscheinlich auch weil ich mit diesem Lebensentwurf und Beziehungskonzepten so gar nichts anfangen kann & immer low key genervt reagiere, wenn Menschen aus meiner Filterbubble von den neusten whatever-het-ships schwärmen & meine Antwort darauf nur „can we please talk about Amberpricefield… now?“ ist. 50 Shades Freed gibt sich Mühe ein ganzes Graustufenspektrum an problematischen & erwartbaren Tropes zusammenzumanschen & zeichnet dabei eher unbewusst ein Spiegelbild toxischer Maskulinität und toxisch dargestellter Beziehungen. Gerade, dass Sicherheit, Vertrauen und After-Care so wenig thematisiert wird, ist gefährlich, da für viele Zuschauende die Filmserie wahrscheinlich ein erster Berührungspunkt mit BDSM darstellt & dadurch gerade das, wie es nicht sein sollte, zu einem gewissen Maß, internalisiert wird. Ich für meinen Teil kann auf diesen Narrativ normativer Machtgefälle, sei es middle-class zu upper-class, über geschlechterbasierende Diskriminierung begründend, oder eben das ausnutzen einer dominanten Rolle innerhalb des Spiels ohne wirklich emotionale Arbeit zu leisten, ebenso verzichten, wie auf die Misconception, dass Personen gerade dann BDSM-Affin sind, wenn diese irgendwelche Kindheitstraumata & eine dark and troubled past zu verarbeiten haben & auch sonst eher geheimniskrämerisch und emotionslos gezeichnet werden. Auch die better safe than sorry Trickkiste der Action-Elemente von Entführungsplots bishin zu Verfolgungsszenen & den üblichen Skimasken-Cyber-Hacker*innen im Serverraum hat mehr etwas von einem Till Schweiger Tatort als von einer guten (Literatur)Verfilmung mit BDSM-Elementen. Ich würde mir zwar generell mehr BDSM-Repräsentation in Literatur & Film wünschen, aber diese sollte unter Berücksichtigung von Machtverhältnissen und nicht-toxischen Beziehungsmodellen erfolgen, sich darüber hinaus auf keinen Fall auf Unwissenheit und einem Gefühl des Unbekannten stützen, sondern darauf, wie es wirklich ist, aber bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein. Die 50 Shades of Abuse Reihe ist in keinem Fall empfehlenswert und auch die neuere Verfilmung, wenngleich diese deutlich aufgebrochenere als der starre erste Teil daherkommt, ändert daran herzlich wenig.

Immerhin enthält der Film selbst einige Absurditäten wie eine sehr Ben & Jerry’s Ice-Cream lastige Szene & einige wenige kink-bezogene Wortwitze aus der eine Art Situationskomik entsteht, die wenigen positiven Momente des ganzen werde ich aber an dieser Stelle nicht spoilern.

Informationen zum Themenkomplex BDSM, Einsteiger*innenfreundliche Darstellungen zu Sicherheit & Konsens, sowie weitere Anlaufpunkte finden sich auf SMJG.org. Die Seite richtet sich an alle Personen unter 27 Jahren.

Autor: Wolki Hermione

Fan Grrrl, Books & Games. Feminism. Going to be a english studies & history teacher soon. #ActuallyBPD she/her

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